© 2019 Oskar Rink

Arno Rink ist einer der bekanntesten deutschen Maler der Gegenwart und gilt, als ehemaliger Lehrer von Neo Rauch, David Schnell und Tim Eitel, als Wegbegleiter der Neuen Leipziger Schule. Seine 32-jährige Tochter folgt ihm unter dem Künstlernamen Oskar Rink in die Kunst - wenngleich völlig losgelöst vom Werk des Vaters.  Nach einem Modedesignstudium in München und einem Kunststudium in London entwickelt sie heute filigrane Welten aus Papier, die einem dreidimensional wie die Innenseiten von Pop-up Büchern entgegenspringen. Nun zeigen Vater und Tochter erstmals gemeinsam in einer Doppelausstellung in der Circle Culture Gallery in Berlin ihre Arbeiten, die sie beide fünf Monate lang im Atelier des Vaters in Leipzig angefertigt haben - kreative Diskurse inklusive. Wir haben beide am ersten Ausstellungstag zu den Arbeiten des Einzelnen als auch zu ihrem Umgang miteinander befragt.
 

 



INTERVIEW: Wie haben Sie die Gemälde für die Ausstellung ausgesucht - gemeinsam oder jeder für sich?


ARNO RINK: Das hat alles meine Tochter übernommen. Sie hatte mein vollstes Vertrauen und am Ende haben wir komplett übereingestimmt.


OSKAR RINK: Als ich im Dezember letzten Jahre zu meinem Vater ins Atelier gekommen bin, wusste ich gar nichts von seinen neuen Arbeiten. Beim ersten Betrachten fand ich sie jedoch gleich sehr stark. Das gemeinsame Thema dieser Ausstellung ist schließlich “Atelier” und ich fand, hierzu passten die neuen Arbeiten einfach sehr gut.


INTERVIEW: Ihre Bildsprache ist im Vergleich zu den früheren Arbeiten viel reduzierter. Was hat es damit auf sich, Herr Rink?


ARNO RINK: Ich habe irgendwann mal gesagt: “Wenn du mit dieser harten, sehr gegenständlichen Malerei altern musst, dann hast du eine ganz schöne Barriere vor dir.” Vielleicht war es aber auch nur Überdruss, dass ich die Dinge irgendwann so stehen ließ. Und das ist etwas, was ich mit 30 vielleicht nie zugelassen hätte: eine offene Stelle, die von der Zeichnung lebt. Diese Wiedersprüche machen mir jedoch auf einmal Spaß. Außerdem sind die Inhalte reduziert - sodass man gerade noch einen Akt sieht. Aber man kann auch mit diesen wenigen Elementen ein Bild gestalten.  

OSKAR RINK: Ich habe ja das Gefühl, dass man im Alter etwas tollkühner wird. Das finde ich gut, denn das heißt ja auch, dass mein Vater noch die nächsten zwanzig Jahre “available” sein wird.

ARNO RINK: Für mein Diplom habe ich noch ein Bild aus der Oktoberrevolution mit 300 Figuren gemalt. Dieser Vorzeigezwang und die Eitelkeit lassen irgendwann nach. Ich will mich jetzt nicht vergleichen, aber das war ja bei Corinth nicht anders - die schrittweise Reduzierung.


INTERVIEW: Würden Sie sagen, dass ihre Tochter heute mit Anfang 30 anders an die Kunst herangeht?

ARNO RINK: Wir haben früher in der DDR immer gegenständliche, traditionelle Malerei gemacht, während meine Tochter raus aus der Fläche geht und in den Raum hinein geht - auch wenn der durch die Glasscheibe begrenzt ist. Das finde ich toll!

INTERVIEW: Oskar, inwieweit hilft Ihnen bei der Gestaltung Ihr Modedesignstudium, zum Beispiel bei der Jacke aus Papier?

OSKAR RINK: Die Idee zu dem Kostüm entstand, als ich irgendwann beim Aussortieren alte Modezeichnungen gefunden habe. Ich mochte an diesen Zeichnungen immer die Betonung der Taille und das habe ich versucht, nachzubauen.

INTERVIEW: Haben Sie schon immer gerne gebastelt?

OSKAR RINK: Ja, ich habe auch regelmäßig als Kind an Bastelwettbewerben teilgenommen. 2009 hatte ich eine Phase, in der ich nicht ganz wusste, was aus mir werden soll. Und in dieser Zeit war das Basteln eine Art Beschäftigungstherapie für mich. Ich habe damals für eine Gruppenausstellung in Berlin eine kleine Stadt gebaut, ähnlich der aktuellen Arbeit, und habe seitdem nicht mehr damit aufgehört.

INTERVIEW: Wie kann man sich die Zusammenarbeit im Atelier des Vaters eigentlich vorstellen?

OSKAR RINK: Ich habe meinen Vater sehr oft befragt, wenn ich an einem Punkt war, an dem ich nicht mehr weiterkam, und für den sich mehrere Lösungen anboten.

ARNO RINK: Es sind aber meinerseits immer Vorschläge gewesen….

INTERVIEW: Rutscht einem nicht oft der väterliche Rat heraus, gerade wenn man auf demselben Gebiet tätig ist?



ARNO RINK: Es ist wirklich nicht ganz einfach. Aber da ich lange auch Studenten unterrichtet habe, weiß ich, dass man am Anfang immer offensiver ist und sich dann zurückhält, sobald man dem anderen vertraut. Auch ist das hier eine Ausstellung, die auf Augenhöhe stattfindet und das halte ich für sehr wichtig.

OSKAR RINK: Klar ist mein Vater der gemachte Künstler. Aber unsere Sachen sehen ganz unterschiedlich aus. Ich bin froh, dass wir uns da nicht zu ähnlich sind.

ARNO RINK: Ich mag es, wenn sie Dinge macht, die mir fremd sind. Weil das zeigt, dass eine Abnabelung stattgefunden hat, ohne dass sie sich entfremdet. Dennoch sind wir uns inhaltlich nicht ganz unähnlich. Es gibt so Gleichklänge in der ästhetischen Haltung, selbst wenn die Umsetzung anders ist. In meinen offenen Bildern gibt es beispielsweise Strukturen wie übereinander liegende Pinsel, die sich auch in ihren Bildern wiederfinden lassen.

INTERVIEW: Wie war das für Sie, wieder als Tochter einige Monate zuhause zu verbringen, um dort gemeinsam mit dem Vater zu arbeiten, Oskar?

OSKAR RINK: Das kam vor allem deshalb zustande, weil ich die Rahmen nicht von London hierher transportieren konnte. Ich habe seit 16 Jahren nicht mehr bei meinen Eltern gelebt. Deshalb war es schön, zu beobachten, wie sich die Rollen innerhalb der Familie allmählich verschieben, weil man auf einmal auch eine Meinung hat und nicht mehr nur das Kind ist. Mein Vater ist aber bestimmt froh, wenn ich wieder gehe. Ich habe sein Atelier schon stark unter Beschlag genommen.

ARNO RINK: Eigentlich haben wir die Fläche halbiert. Irgendwann kommt man aber rein und merkt, alles ist anders. Aber wir haben es überlebt - im positiven Sinne.

INTERVIEW: Herr Rink, Sie hatten sich vor Jahren in einem Interview mit der Welt über das Etikett der “Neuen Leipziger Schule” aufgeregt. Wie sehen Sie den Umgang mit dem Begriff und dem Hype heute?


ARNO RINK: Das hat sich eigentlich erledigt - weil sich der Hype aufgelöst hat. Die Jungs haben sich nur solange als Liga zusammen getan, bis jeder einen Galeristen hatte, was irgendwann der Fall war. Es wäre auch seltsam, wenn nach der zweiten Leipziger Schule noch eine dritte kommen würde. Das wird dann einfach unsinnig, und das habe ich damit auch gemeint in jenem Interview.

INTERVIEW: Was sind Ihre weiteren Pläne, Oskar?

OSKAR RINK: Ich geh jetzt erstmal zurück nach London, würde aber liebend gerne vermehrt zwischen London und Leipzig pendeln. Dem Material Papier bleibe ich jedoch treu. Und das erstmal auch in Schwarz-Weiß.

 

 

 


OSKAR RINK & ARNO RINK
CIRCLE CULTURE GALLERY

MAI 18 - JUNI 16, 2012

 


- JULIA STELZNER