© 2019 Oskar Rink

Die Inspiration zu ihren Papierwerken gibt sie mir am Ende mit auf den Weg als wir schon fast aus der Tür sind: "Nobuyoshi Araki! Nicht die Bondage-Motive oder die Blumen, eher seine Sicht auf die Architektur haben mich beeinflusst". Wenn Oskar Rink über ihren kreativen Prozess spricht, blüht sie auf. Wie ein Wasserfall sprudelt es aus ihr heraus: Wie es anfing (mit acht Jahren baute sie das erste Mal eine Torte mit Kerzen aus Papier), wie es weiter ging (als Galeristin) und wie wir hier zusammen kamen (als Künstlerin). Im Grunde sei ihr das erst recht spät aufgefallen, das ihre gebastelten Tagebücher ja auch als "Kunst" durchgehen könnten. Für ein knappes halbes Jahr hat sie ihren Wohnort London verlassen, um in das Atelier ihres Vaters zu ziehen. Zurück in Leipzig bei ihren Eltern fand sie dann die nötige Konzentration, um sich auf das neue Terrain zu bewegen und an die Reihe ihrer vorherigen Gruppen-Schauen nun eine Duo-Show zu setzen. Die über Jahre perfektionierte, technische Funktionalität ist bis hierhin einen beachtlichen Weg gegangen. Gepaart mit ihrem modischen Verständnis und dem Können, aus Papier und Pappe ein Kleid zu nähen, beweist Oskar Rink, dass sie sich schon längst ihre eigenen Welten bauen und entspannt auf unsere Realität verzichten kann.

Woran arbeitest du gerade?

 

Momentan konzentriere ich mich auf meine Papierkästen, dafür habe ich meinen vorherigen Job gekündigt und habe hier nun die Chance bekommen, eine Soloshow mit meinem Vater zu machen. Wenn ich nächste Woche wieder nach Hause komme, gucke ich wahrscheinlich erstmal 24 Stunden Fernsehen. War ja doch ganz schön viel los die letzten Wochen.

 

Was liest du?

 

"Misogynie: Die Geschichte des Frauenhasses" von Jack Holland.

 

Was hörst du?

 

Es gibt so viel dumme Musik, eigentlich höre ich ungern Musik. Selbst auf der Fahrt heute Morgen von Hamburg nach Berlin war das Radio aus. Die falsche Musik beeinflusst mich einfach zu sehr. Dann lieber keine. Auf DLF höre ich allerdings gerne die Buchbesprechungen (zuletzt fand ich toll: "Fernliebe: Lebensformen im globalen Zeitalter" von Ulrich Beck).

 

Was siehst du?

 

Ich freue mich jetzt eine Ausszeit zu nehmen vom "selber machen" (mehr als zwei Wochen schaffe ich das eh nicht) und werde mir wie jedes Jahr Art Basel anschauen und auch die Documenta. Wenn die Venedig Biennale stattfindet fahre ich immer hin. Man kann einen Kurztrip nicht schoener gestallten. Konzentriertes Klotzen ist toll.

 

Was kommt?

 

Es gibt ein Kunstwerk, von dem ich schon lange träume: Ein Riesenkasten, sagen wir 6 x 2,50m, der dieses Motiv im Park aufgreift, auf dem im Herbst die Blätter vom Wind nach oben getrieben werden - und das alles mit Farbe. Farbe kommt bei mir als nächstes!

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"Oskar und Arno Rink" ist noch bis zum 17. Juni in der Circle Culture Gallery (Gipsstrasse 11, Berlin) zu sehen.

 

© Mary Scherpe(1); PR (2); Circleculture-gallery.com (2); Collage: Condé Nast

Exhibition view

'Arno - Oskar Rink'

www.vogue.mx